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Bio-Beton aus dem Labor Bakterien schließen Risse / Uni Delft erfindet nachhaltigen Beton

Mit Bakterien versetzter Beton
Marktinformation aus dem ZDF-Mittagsmagazin am 24.8.2009
Eigentlich gilt ja Beton als solide, fest und stabil. Doch immer wieder
kommt es vor, dass betonierte Gebäude einstürzen, weil sich zuvor im Beton
Risse gebildet haben und die Bausubstanz porös geworden ist. Doch damit
könnte bald Schluss sein. In den Niederlanden haben findige Wissenschaftler
einen Bio-Beton entwickelt, der sich selbst repariert.
Der Mikro-Biologe Henk Jonkers, Erfinder eines neuartigen Bio-Betons, muss
nur sein Labor verlassen, um an der niederländischen Universität Delft jede
Menge Beispiele für brüchigen, rissigen und mürben Beton zu finden. Es sind
meist Schäden, die bei herkömmlichem Beton schon nach 20 bis 30 Jahren
auftreten können. "Das Problem mit herkömmlichem Beton: Durch kleine Risse
dringt Wasser ein. Das Wasser kommt in Kontakt mit dem Stahlgerüst, welches
dann zu rosten beginnt. Nach und nach brökeln immer mehr Betonteile vom
Gebäude ab. Bauten aus solchem Beton müssen ständig gewartet und repariert
werden, sonst gibt es Sicherheitsprobleme bis hin zur Gefahr des
Einsturzes", erklärt Jonkers.
Bakterien-Granulat statt Steine
Um solche Schäden und auch die ständige intensive Wartung von
Beton-Gebäuden zu vermeiden, hat Henk Jonkers einen Bio-Beton erfunden, der
sich quasi selbst repariert und zwar mit Hilfe von speziellen Bakterien,
die dem Betongemisch beigefügt werden. Im normalen Beton sind viel Sand und
Steine enthalten. Im Bio-Beton wurde dagegen ein Teil der Steine durch ein
poröses Material ersetzt, durch dunkles Granulat. In dem Granulat sind die
Bakterien und auch Nahrung für die Bakterien enthalten.
Die speziellen Bakterien sind Hitze- und Kälte-resistent und können etwa
200 Jahre lang im Beton überleben - die meiste Zeit im Schlafzustand.
Sobald ein Riss im Material entsteht und Wasser eindringt, werden die
schlafenden Bakterien wach und aktiv. Sie fressen ihr im Betongemisch
beigefügtes Futter und scheiden dann Kalkstein-Kalzium-Carbonat aus,
welches den Riss kittet und wieder wasserdicht macht.
Betonsanierung mal anders
Unter dem Mikroskop ist der Selbstheilungsprozess des Bio-Betons deutlich
zu erkennen: "Hier sieht man ganz deutlich den Riss im Beton und sogar ein
grosses Loch - das ist vor dem Wiederherstellungs-Prozess. Danach sieht
man: Riss und Loch sind komplett geschlossen durch das
Kalkstein-Kalzium-Carbonat, das die Bakterien ausgeschieden haben. Um einen
solchen Riss zu kitten, brauchen die Bakterien etwa zwei Tage", zeigt
Jonkers.
Die Erfindung von Henk Jonkers und seinem Team an der Uni Delft hält allen
Laborprüfungen stand. Doch bis dieser Bio-Beton auf den Markt kommt, wird
es noch etwa fünf bis zehn Jahre dauern. Denn die Forscher müssen erst
beweisen, dass ihr Beton auch in der Praxis funktioniert - und zwar ohne
Risiko und Nebenwirkung.
Diese Information erschien als Film-Beitrag im ZDF Mittagsmagazin am 24.8.2009
Mehr unter: http://mittagsmagazin.zdf.de/ZDFde/inhalt/29/0,1872,7618461,00.html
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